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Das Leben mit engen Grenzen

(oder: Wie gehe ich mit geplatzten Träumen um)
Ein schonungslos ehrliches Zeugnis

Mein Zeugnis, wie ich zum Herrn gefunden habe, und einige der bewegenden Geschichten, die ich seither mit ihm erlebt habe – darunter die übernatürliche Heilung meines Vaters von Krebs – habe ich bereits an anderer Stelle geteilt. Doch einige Kapitel meines Lebens sind bisher unerzählt geblieben. Heute möchte ich euch in eines davon mit hineinnehmen: in Zeiten tiefen Zerbruchs und zerplatzter Träume. Und doch soll es keine Geschichte der Hoffnungslosigkeit sein – im Gegenteil. Denn gerade in unseren dunkelsten Momenten eröffnet sich oft die tiefste Begegnung mit Jesus.


Ein Leben voller Träume

Als ich im Frühjahr 2008 Jesus kennenlernte, begann für mich ein völlig neues Leben. Ich war wie auf Wolke sieben. Schnell entstand in mir der Wunsch, ganz für ihn zu leben – am liebsten im vollzeitlichen Dienst. Auf einer Missionskonferenz im Herbst 2008 spürte ich Seinen Ruf sehr deutlich: Ich wusste, ich solle in die Mission gehen.

Kurz nach meiner Taufe im Frühjahr 2009 öffnete sich tatsächlich eine Türe – und noch im selben Jahr war ich in Afrika. Alles ging in einem Tempo voran, das mich selbst staunen ließ. Die Zeit in Uganda war für meinen Glauben unglaublich prägend: Ich durfte intensive Gemeinschaft mit Gott und meinen Glaubensgeschwistern erleben, wurde charakterlich geformt und lernte, in meinen Herausforderungen zu wachsen.

Wie diese Zeit in Afrika endete und welche Wunder ich dort erlebte, wäre eine eigene Geschichte wert. Auch nach meiner Rückkehr im Herbst 2010 öffneten sich viele Türen: Ich fand rasch einen neuen Job, heiratete im April 2011 meinen Mann Hans und begann parallel eine Seelsorgeschulung – etwas, das mir sehr am Herzen lag. Alles schien seinen Lauf zu nehmen.


Herausforderungen und Zusammenbruch

Doch wer verheiratet ist, weiß: Wenn zwei Menschen mit unterschiedlicher Prägung und Geschichte zusammenkommen, kann das herausfordernd werden. Hans hatte zudem gesundheitliche Probleme, und auch familiäre Spannungen kamen hinzu. Unser erstes Ehejahr war daher alles andere als leicht – so sehr, dass wir zeitweise kurz vor dem Aus standen.

Wir suchten seelsorgerliche und psychologische Hilfe, einzeln und gemeinsam, und kämpften uns mit Gottes Hilfe durch. Diese Zeit war schwer, aber sie führte uns näher zu Gott – und zueinander.

2013 traf mich dann eine neue gewaltige Herausforderung: Während eines Praktikums in einem Wohnheim für psychisch kranke Menschen erlitt ich ein massives Burnout. Der Psychiater, dem ich mich anvertraute, riet mir fälschlicherweise, einfach zu kündigen – dann würde es schon besser werden. Doch genau das Gegenteil trat ein. Ich stand ohne Arbeit, ohne medizinische Betreuung und mit schweren Depressionen da.

Der Druck des Arbeitsamts, schnell wieder eine Stelle zu finden, war zu groß. Ich meldete mich schließlich ab und fiel damit aus dem System. Erst später bekam ich die kompetente medizinische Unterstützung, die ich so dringend gebraucht hätte.

Ich erholte mich zwar allmählich, doch mein Leben sollte nie wieder so „normal“ verlaufen, wie ich es mir erträumt hatte. Ich hatte große Pläne – ein „Lebenshaus“, in dem Menschen Hilfe finden, Gemeinschaft, Seelsorge. All das rückte in weite Ferne. Trotz Behandlung kehrte meine Belastbarkeit nicht zurück.

Ich arbeitete fortan selbstständig in unserer kleinen Medienagentur – das ermöglichte mir, meine Zeit und Kraft selbst einzuteilen. Immer wieder hoffte ich auf eine Rückkehr ins normale Arbeitsleben, doch meine Konzentration und Belastbarkeit waren zu eingeschränkt. Mehrere Versuche scheiterten.

Allmählich begann ich, mich mit meinem Leben innerhalb dieser engen Grenzen zu arrangieren. Es waren nicht nur die Herausforderungen in meiner Arbeitssituation – auch im privaten Umfeld stieß ich immer wieder an meine Belastungsgrenzen. Begegnungen mit Menschen, vor allem in größeren Gruppen oder in lauten, unruhigen Umgebungen, überforderten mich schnell. Vieles, was früher vielleicht selbstverständlich gewesen war, fühlte sich plötzlich zu groß, zu anstrengend, zu viel an. So sagte ich oft Verabredungen ab – nicht aus mangelndem Interesse, sondern weil ich spürte, dass mir die Kraft fehlte, dem wirklich begegnen zu können.

Doch mitten in all dem durfte ich erfahren: Gott sieht mich. Er misst nicht mit den Maßstäben dieser Welt. Für viele mag meine Situation aussichtslos gewirkt haben – aber nicht für Jesus. Er zeigte mir immer tiefer, wie sehr er mich liebt. Er befreite mich von Leistungsdenken und Religiosität und lehrte mich, dass Beziehung zu ihm wichtiger ist als Erfolg.

Der Winter 2016 war eine besonders schwere Zeit: Mein Vater starb unerwartet, und kurz darauf erlitt Hans einen Zusammenbruch. Trauer, Erschöpfung und Hilflosigkeit prägten die nächsten Monate. Doch gerade in dieser Dunkelheit erlebte ich Gottes Nähe auf ganz besondere Weise.


Ein neuer Aufbruch

Mit der Zeit lernte ich immer mehr, meine Grenzen anzunehmen. Ich wusste, dass nur Gott selbst meine Situation wirklich verändern konnte. Und genau das tat er.

2024 wurde zu meinem Jahr. Meine Medikamente konnte ich stark reduzieren, und plötzlich öffnete Gott eine Tür, die ich längst verschlossen glaubte: den Weg zurück in die Arbeitswelt.

Hatte ich noch kurz davor gedacht, dass ich niemals wieder unter Menschen arbeiten könnte, stand ich nun für einen Saisonjob an einer Kasse und führte mit einer Fröhlichkeit im Herzen freundliche Gespräche mit den Kunden. Nach dieser Zeit wagte ich den nächsten Schritt und bewarb mich als Quereinsteigerin auf einen festen Bürojob. Und tatsächlich: Gott öffnete die Türen. Ich bekam eine wunderbare Stelle mit großartigen Kollegen und einem wirklich ausgesprochen guten Gehalt. Ich war einfach nur überwältigt und von Herzen dankbar.

Kurz vor meinem 40. Geburtstag im Dezember begann ich diesen Job – voller Hoffnung auf das neue Jahr.


Der nächste Zusammenbruch

Doch Anfang 2025 kam der nächste Einbruch. Die Arbeit machte mir Freude, aber die Anforderungen waren hoch. Bald merkte ich, wie meine Kräfte schwanden. Meine Konzentration ließ nach, die Erschöpfung nahm zu. Trotz aller Bemühungen und liebevoller Unterstützung meiner Kollegen kam der Punkt, an dem nichts mehr ging. Wieder Burnout. Wieder das Gefühl, versagt zu haben.

Das war hart. Ich hatte so sehr gehofft, endlich „normal“ leben zu können. Doch dann stellte ich mir die Frage: Wer definiert eigentlich, was normal ist?

Gott hat andere Maßstäbe. Er zeigte mir, dass sein Ziel nicht darin besteht, mich gesellschaftlich „funktionstüchtig“ zu machen, sondern mein Herz zu formen. Und so erkannte ich: Vielleicht hatte Gott mir den kurzen Aufbruch geschenkt, um mir zu zeigen, dass ihm alle Dinge möglich sind – aber dass sein Weg mit mir ein anderer ist.

In dieser Erkenntnis durfte ich Frieden finden. Ich machte ihm keine Vorwürfe, sondern begann zu verstehen. In der Nähe Jesu fand ich Ruhe. Ich merkte, dass ich ihm in dieser erneuten Schwachheit vielleicht sogar näherkam als in der kurzen Phase des Erfolgs.


Versöhnt mit meinen Grenzen

Im Laufe der Jahre kamen zu meinen Herausforderungen im Arbeitsbereich auch gesundheitliche Beschwerden hinzu. Immer wieder hatte ich mit Infekten und Hautproblemen zu kämpfen, entwickelte Asthma und litt zunehmend unter starker Erschöpfung.

Heute bin ich mit meiner Situation versöhnt. Ich weiß, dass Gott mich liebt – so wie ich bin. Er arbeitet an mir, ja, aber sein Ziel ist nicht in erster Linie, mich für den Arbeitsmarkt „fit“ zu machen. Seine Pläne reichen weit darüber hinaus.

Ich erlebe, wie Gott mich auch mitten in meinen Umständen immer wieder segnet. Besonders in den vergangenen Monaten hat er einen lang gehegten Wunsch erfüllt und mir wunderbare Kontakte zu Glaubensgeschwistern geschenkt – Begegnungen, über die ich nur staunen kann.

Hätte man mich 2010 gefragt, wo ich mich in 15 Jahren sehe, hätte ich wohl geantwortet: als Missionarin in Afrika oder China, als Seelsorgerin, vielleicht als Therapeutin, gerne auch als Mutter. Aber ganz sicher nicht dort, wo ich heute stehe.

Hat Gott mich deshalb vergessen? Nein, ganz und gar nicht. Ich durfte seine Liebe auf so tiefe Weise erfahren, dass ich heute wirklich in ihm ruhe – und ihn einfach genieße. Ich sehne mich danach, dass er mich gebraucht, um sein Reich zu bauen. Und ja, das tut er – oft im Kleinen, nicht auf der großen Bühne oder dem Missionsfeld. Aber dafür in den stillen Begegnungen, im Austausch mit Menschen, die ähnliche Wege gegangen sind. Menschen, die ich durch meine eigene Geschichte besonders gut verstehe – und denen ich dadurch umso leichter mit seiner Liebe begegnen kann.

Den Frieden und die Freude Jesu in meinem Leben zu haben, ist für mich das größte Glück. Ich trauere meinen geplatzten Träumen nicht nach. Ich glaube, dass Gott sie mir aus einem bestimmten Grund gegeben hat. Und ich weiß: In der Ewigkeit wird es viele Möglichkeiten geben, das auszuleben, was er in mich hineingelegt hat.

Bis dahin diene ich ihm hier – mit meinen Grenzen, im Kleinen. Und das ist genug.