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Frei von Todessehnsucht

Ich erinnere mich noch klar, am einen Sonntagnachmittag bei mir zu Hause auf dem Balkon. Ich war 17 und wieder einmal sehr traurig und deprimiert. Draußen schien die Sonne und es war warm, für mich aber erschien alles sinnlos und elendiglich. Ich sagte dies meiner Mutter. Dies sei normal in meinem Alter, antwortete sie mir; in meinem Alter fühle man sich immer wieder einmal melancholisch.
Und so fühlte ich, seit ich mich erinnern kann, immer eine Traurigkeit in mir. Oft lief ich über die Straße ohne zu schauen, ob ein Auto kommt. Mir war es egal, wenn ich überfahren würde, wenn dies das Schicksal so wollte, oder zu springen, wenn der Zug vorbeifuhr. Dies konnte ich aber nie über das Herz bringen, da sonst so viele Personen involviert würden und das wollte ich nicht. Oft stand ich auch weinend am Fenster und stellte mir vor, wie es sich anfühlen würde zu springen.
Ich wuchs in einer Familienkonstellation auf, welche nicht einfach war. Meine Mutter bekam mich sehr jung; ein Unfall, wie man mir immer wieder sagte, es sei praktisch unmöglich gewesen, dass mein Sperma überleben konnte. Meine Eltern stritten oft und laut. Dies kreierte einen Hass und Ohnmacht gegen mich selber und mein Leben. Ich lief das erste Mal von zu Hause davon, als ich ca. 4 Jahre alt war. Etwa 2 Stunden später suchte mich mein Vater einige Straßen weiter unten im Quartier wieder auf. Ich hatte danach mein Gepäck stets gepackt im Kleiderkasten, so war ich allezeit bereit auszureißen. Ich wusste aber, dass ich allein nicht viele Chancen hatte und es nichts bringen würde auszureißen, so habe ich dies schlussendlich nie gemacht. Ich sagte schon als kleines Mädchen immer, dass ich eines Tages, wenn ich groß sei, auswandern wolle. Ich lebte immer mit dem Gedanken, dass es nicht schlimm sei zu sterben. Im Gegenteil, ich verspürte, bis ich 27 war, immer wieder eine Todessehnsucht. Nach Außen war ich immer gut gelaunt und eine fröhliche Begleitung. Dies hatte ich von meinem Vater gut gelernt. Sobald Gäste auf Besuch kamen oder wir bei Freunden waren, sah nach Außen immer alles Bestens aus und wir strahlten über unseren Streit hinweg, ohne ihn gelöst zu haben.
Ich besuchte mehrmals mit 18, 21 und 26 Jahren Psychotherapien wegen dieser Selbstmordgedanken. Diese halfen, aber nicht langfristig, da ich immer wieder Rückfälle meiner Tiefs hatte, sobald sich meine Lebenssituation änderte.
Die Veränderung begann, als ich für ein Jahr lang nach Italien mit dem Erasmusprogramm gehen konnte. Zwischen den Italienern, Spaniern und Südländern fühlte ich mich zu Hause, verspürte viel Liebe und Akzeptanz. Mit 27 erfüllte ich dann meinen Traum, gab in der Schweiz alles auf und reiste mit meinem damaligen Freund nach Argentinien, nicht wissend, ob wir in Buenos Aires bleiben würden oder wann wir wieder zurückkommen würden. Dort aber erlebte ich anfangs den Tiefschlag meines Lebens. Der Vater meines Freundes starb relativ unerwartet und in der Trauer der Familie fühlte ich mich sehr einsam und verloren. Es ging so weit, dass ich innerlich völlig leer – wie eine Raupenhülle  –herumlief und fest hoffte, dass mich ein Auto anfahren würde oder ich aufhören würde zu atmen. Ich stand dann eines Nachmittags auf dem Balkon des 9. Stocks. Mein damaliger Freund befand sich im Nebenzimmer. Ich wollte springen, spürte eine tiefe Sehnsucht und sah darin die einzige Lösung, meine Traurigkeit loszuwerden. Ich sah mich schon springen. Ich fühlte, diesmal hielt mich keine Person zurück. Ich fühlte mich nur noch allein, nichts war mehr etwas wert. Da war nur noch Leere. Aber etwas hielt mich zurück. Ich tat es einfach nicht. Noch an demselben Abend oder am Tag danach surfte ich im Internet und gab den Namen einer ehemaligen Kantikollegin (Kollegin aus der Zeit am Gymnasium) von mir in die Suchmaschine im Internet ein. Ich erinnerte mich an sie, da sie an einer  Klassenzusammenkunft erzählt hatte, dass sie unerwarteterweise Christin geworden war. Sie hatte damals eine Tasche mit sich: Creator of the universe I praise you (Schöpfer des Universums, ich preise dich). Über die Links der Webseite ihres christlichen Arbeitgebers „Tear Fund“, kam ich auf www.wunderheute.ch. Ich schaute mir weinend diverse Zeugnisse an. Ich kann mich nicht erinnern, wie lange ich auf dieser Homepage verbrachte. Am Schluss war da auch die Frage, ob ich dasselbe auch erleben möchte und der Spruch, in welchem man sein Leben an Jesus übergab, welchen ich laut vor dem Bildschirm vorlas. Und ich wurde neu geboren.

In den nächsten Tagen ging es mir immer besser, ich fühlte mich stabiler, gefüllter, hoffnungsvoll, glücklicher, ruhiger. Als ich danach ca. 3 Monate später eine Reise mit einer NGO mit Straßenkindern ans Meer unternahm, welche von einer evangelischen Kirche organisiert wurde, erhielt ich täglich Bibelunterricht. Nach drei Tagen bereits sprach ich mit einer Schwester das Gebet, dass ich mein Leben Jesus übergeben will, am Strand. Ich verspürte ein intensives hellblaues, weißes Licht, welches in mein Herz hinein kam und strahlte. Die ganze Leere, welche ich noch in mir hatte, wurde gefüllt durch Gottes Frieden, Wärme und Licht. Ich bin seither voll von dieser Liebe Gottes, welche ich wöchentlich im Gottesdienst und in der Zelle (Kleingruppe), in dieser speziellen Gemeinde, intensivieren und weiter aufladen kann.
Ich habe seither keinen Gedanken mehr daran verschwendet, dass mein Leben sinnlos wäre, sondern ich bin jeden Tag glücklich den Herrn bei mir zu haben und mich von seiner Güte und Liebe jeden Tag wieder neu überraschen zu lassen. Ich erhalte jeden Tag so viele Geschenke von ihm. Mein Traum wäre es, ihm jeden Tag auch mit meiner beruflichen Arbeit dienen zu können, um jeden Tag mehr und mehr von ihm in meinem Herzen zu haben. Es ist nicht so, weiß ich nun, wie meine Mutter gesagt hat: Es ist nicht normal, dass man so viel Traurigkeit verspürt. Mit Gott ist jeder Tag ein Jubeltag. Und ich muss ihm immer wieder sagen: Dich zu kennen und mit dir zu gehen ist das Beste, was einem passieren kann!


Herzlichen Dank an die Autorin Raffaela Turchi, dass wir ihr bewegendes Zeugnis hier auf dem Blog posten dürfen.

Bei wunderheute.tv gibt es einen Videobeitrag mit ihrem wertvollen Zeugnis: Hier geht es zu dem Videozeugnis auf Youtube (bitte beachtet die Datenschutzerklärung von Youtube).

Raffaela bei Wunderheute.tv