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Mit Gott in der Hölle des ruandischen Völkermords

  1. Vorwort
  2. Das persönliche Zeugnis von Denise Uwimana-Reinhardt:
    „Mit Gott in der Hölle des ruandischen Völkermords“
  3. Der Verein Iriba Shalom International e.V.
  4. Als Autorin zweier biographischer Bücher
  5. Hintergrund zu den Gründen für des Völkermords

1) Vorwort

Ich freue mich sehr, dass ich an dieser Stelle das bewegende Zeugnis von Denise Uwimana-Reinhardt vorstellen darf.
Es mag für Außenstehende unvorstellbar sein, was diese wunderbare Frau Gottes vor inzwischen fast 30 Jahren erlebt hat:
Hochschwanger werden Denise und einige ihrer Angehörigen in ihrem Haus von Hutu-Milizen aufgesucht. Fünf der zehn Anwesenden sterben an diesem Tag. Durch Gottes Bewahrung überlebt Denise und bringt inmitten dieses blutigen Massakers ihren dritten Sohn zur Welt.
Doch auch die Zeit, die darauf folgt, ist sehr hart. Denise hat ihren Mann und sehr viele Verwandte und Freunde verloren. Durch das Erlebte ist sie schwer traumatisiert und hadert mit Gott. Doch Gott trägt sie durch diese Zeit …

Bei dem grausamen Völkermord in Ruanda 1994 sterben innerhalb von nur 100 Tagen ca. eine Million Menschen. Vor allen Dingen Mitglieder der Volksgruppe der Tutsi sind unter den Opfern, aber auch einige Hutu, die sich weigerten bei den Gräueltaten mitzuwirken oder den Tutsi halfen. Weitere Infos zu den Gründen für den Völkermord gibt es hier. (Link zu den Infos)

Neben den grausamen Ermordungen, die oft von schwerer Folter begleitet wurden, wurden viele Menschen verstümmelt, viele Frauen vergewaltigt. Zurück blieb ein gebrochenes Land, mit vielen Waisen und Witwen, mit erkranken und behinderten Menschen. Doch das Land hat in den vergangenen Jahrzehnten sehr viele positive Entwicklungen gemacht und erfährt nun statt Hass die Heilung durch Vergebung und Versöhnung.

Denise Uwimana-Reinhardt ist eine mutige Frau, die sich zur Stimme macht für ihr Volk. Durch ihre persönlichen traumatischen Erfahrungen kann sie Zeugnis über Gottes Treue geben und dass Heilung durch Vergebung und Gottes Gnade möglich ist. Lassen wir sie am besten selbst zu Wort kommen:


 

2) Erlebnisbericht: Mit Gott in der Hölle des ruandischen Völkermords
(von Denise Uwimana-Reinhardt)

Ich bin in einer christlichen Familie geboren und aufgewachsen. Meine Eltern waren von Ruanda nach Burundi und danach in den Kongo geflohen. Schon in den sechziger Jahren gab es politische Unruhen zwischen den sogenannten ethnischen Gruppen in meinem Land Ruanda. Tutsi wurden nach 1959 zu Tausenden von Hutu getötet und als Kakerlake oder Schlangen bezeichnet. Viele Tutsikinder durften nicht zur Schule gehen. So war ich in Burundi geboren, im Kongo aufgewachsen und habe in Ruanda im Dezember 1987 geheiratet.

Im Jahr 1990 begann für mich eine harte Zeit wegen der Ideologie des Völkermords gegen alle Tutsi in Ruanda. Bald nach meiner Hochzeit wurde mein Mann Charles mit anderen Intellektuellen ins Gefängnis geworfen. Nach fünfeinhalb Monaten wurde er befreit, aber er verlor seine Stelle, weil die sogenannten extremistischen Hutu keine Tutsi mehr in der Fabrik haben wollten. Er musste fliehen, wir konnten uns nur manchmal heimlich treffen und 1994 wurde er ermordet – ich weiß nicht, wie. (Im Jahr 2020 begann CNLG (National Commission for the fight against Genocide) eine Forschung über den Tod meines Mannes in Rwanda.)
Ich fühlte den Hass meiner feindlichen Hutu Nachbarn: Niemand durfte mich zu Hause besuchen. Da ich im christlichen Glauben aufgewachsen war, habe ich meine Zuflucht zu Gott genommen und ihn in meinen Gebeten herausgefordert. Gott sprach mehrfach zu mir, manchmal durch Bibelverse, manchmal durch Träume oder durch Menschen – einmal durch einen Hutu Kollegen: „Du wirst noch viele Probleme bekommen, aber ich werde dich beschützen. Und was kein Mensch für dich tun kann, werde ich, Gott, für dich tun.“

Am Abend des 6. April 1994 wurde das Flugzeug mit dem Präsidenten abgeschossen – aber dies war das Signal und der Vorwand für den lange geplanten Völkermord an allen Tutsi. Eine Million Tutsi und einige gemäßigte Hutu wurden in nur 100 Tagen umgebracht.

Am 16. April kam eine christliche Hutu Frau vom Markt und sagte mir: „Ich habe deine Tante, ihre 2 Söhne und ihren Schwiegervater gesehen, wie sie schon tot auf der Straße lagen.“ Sie sagte auch: Die Interahamwe, die Milizen, seien nun auf dem Weg zu meinem Haus. Sie wollten mich, meine Familie und alle Tutsi in der Gegend töten. Zu der Zeit war ich hochschwanger und wartete auf die Geburt, und mein Mann war nicht zu Hause. Wir waren 10 Leute in meinem Haus, wir begannen zu beten, einander und Gott um Vergebung zu bitten. Ich sagte ihnen: „Ich fühle, dass einige von uns sterben und dass einige überleben werden. Aber für alle die, die sterben werden, sagte ich in französischer Sprache: „Rendez-Vous au ciel (d.h.: Wir werden uns alle im Himmel treffen.“

Die Milizen kamen von hinten ins Haus, mit Macheten, Gewehren, Äxten, Schwertern. Als sie die Hintertür zerstörten, floh ich in das Badezimmer mit meinem zweiten Sohn Christian, der eineinhalb Jahre alt war.
Während dieser Zeit im Badezimmer war ich innerlich verwundet und sprach zu Gott, mit dem ich ständig verbunden war: „Du hast mich enttäuscht, Gott, warum hast du mir nicht vorher gesagt, dass ich sterben muss und deine Braut sein werde, sodass ich mich auf meinen Tod vorbereiten kann?“
Fünf Leute waren in meinem Schlafzimmer versteckt. Ich hörte meine Cousine Thérèse schreien, danach die Mörder reden vor dem Badezimmer. Als sie die Holztür aufgebrochen hatten, stand ich so da, mit verschränkten Armen, schwanger, meinen Sohn Christian auf meinem Rücken. Ich wusste: Das ist das Ende. Aber anstatt mich gleich zu töten, begannen sie einen Dialog. Sie forderten Geld von mir, dann gingen wir in mein Schlafzimmer. Ich gab ihnen das Geld, sie verteilten es an alle und jemand sagte: „Warum willst du diese Tutsi Frau nicht umbringen?“ Und er erhob sein Schwert. Ein anderer hielt seine Hand zurück: „Lass sie, sie ist nicht gefährlich.“
Dann verließen sie mich, um andere Tutsi umzubringen. Viele Leute haben viel Geld bezahlt, um nicht durch eine Machete zu sterben, sondern durch eine Kugel.
Um mich herum lagen einige meiner Verwandten im Todeskampf. Mein Geist konnte nicht fassen, was geschah. Mein Hausjunge sagte mir, sie würden zurückkommen, um mich zu töten. So gab ich ihnen Christian und versteckte mich unter dem Bett, ich lag im Blut meiner Cousins. Die ganze Nacht hörte ich meine Cousine Thérèse wimmern: „Jesus von Nazareth, hilf mir.“ Dann war sie ruhig und starb.
Ich konnte mich unter dem Bett nicht bewegen und litt sehr – mitten in der Nacht spürte ich, dass es Zeit war, zu gebären. Die Fruchtblase platzte! Ich ging zu einer Nachbarin, die in einer Klinik arbeitete. Sie hatte große Angst, auch getötet zu werden, wenn sie mir öffnete, aber sie ließ mich herein. Kurz darauf kamen andere Interahamwe. Die Frau forderte mich auf, mich unter dem Dach zu verstecken, aber das war so kurz vor der Geburt natürlich nicht möglich.
Sie rannte weg und als sie wiederkam, kam mein kleiner Sohn schon auf die Welt – es war am frühen Morgen des 17. April. Besonders die Tutsi-Jungen waren Todeskandidaten, aber es war der Plan Gottes, mir einen lebendigen Sohn zu schenken. Die Frau hatte natürlich keine sterilisierten Geräte, so nahm sie ein klebriges Messer aus der Küche, und schnitt meine Nabelschnur durch. Dann drängte sie mich, ihr Haus schnell zu verlassen. Aber das war nicht möglich, denn ich blutete, war sehr schwach und schwindelig.
Dann kam mir eine Idee: Ich wollte mich im Vorratsraum hinter der Tür verstecken, die Tür offenlassen, sodass die Killer dachten, dass niemand dort drin sei. Ich stillte mein Baby, damit es nicht schrie.
Die Milizen kamen in das Haus, aber kamen nicht auf die Idee, dass jemand hinter der offenen Tür wäre. Sie warfen zwei Granaten ins Haus, aber sie explodierten nicht.
In meinem eigenen Haus waren zehn Leute: fünf wurden getötet, fünf haben überlebt, einschließlich meiner Kinder.

100 Tage lang war ich immer in Lebensgefahr, voller Furcht und Schrecken. Oft habe ich mit Gott gekämpft und ihn gefragt: „Welche Sünden haben die Tutsi begangen, dass sie wie Fliegen getötet werden, gefressen von Hunden, andere in Flüsse oder Massengräber geworfen. Wie wirst du ihnen das erklären am Jüngsten Gericht?“ Mein vierjähriger erster Sohn fragte mich: „Mama, ist das das Ende der Welt?“ Ich hatte keine Antwort für ihn und er sang“ Gott liebt uns noch, Er wird seine Hände nicht von uns abziehen“.
In meinen Gebeten habe ich seine Worte auf die Probe gestellt. Ich habe viele Psalmen gelesen und gesprochen. Ich habe gezweifelt und ich war von meinen Pastoren und von den Leitern meiner Gemeinde und Christen enttäuscht, weil viele von ihnen an diesem Völkermord direkt oder indirekt beteiligt waren.

Ich versprach Gott immer:

„Wenn ich überlebe, werde ich allen Menschen erzählen, dass du ein großer und mächtiger Gott bist. Ich werde alle ermutigen, dir treu zu sein.“

Die Verheißungen Gottes sind wahr geworden. Gott schützte mich wunderbar. Ich weiß nicht, warum ich überlebt habe, aber wozu! Ich bin noch am Leben, nicht weil ich besser als andere war oder mehr gebetet habe, sondern weil Gott einen Zweck damit verband.

Meine Wut, mein Hass, meine Bitterkeit

Nach dem Völkermord war ich sehr tief traumatisiert und sauer auf Gott, weil er nicht auf die Tutsi aufgepasst hatte. Die Hutu waren stolz darauf, uns ausgelöscht zu haben. Mein lieber Mann Charles, sein Papa, seine sechs Brüder, mein Opa, meine Oma, meine Tanten, meine Onkel, Cousins und Cousinen, viele meiner lieben Freunde und Nachbarn sind nicht mehr am Leben. Es gibt nur Witwen, die traumatisiert sind, viele sind durch die Verletzungen behindert geworden. Viele Waisen haben keine Eltern mehr, viele Witwen haben ihre Männer und Kinder verloren und sind vergewaltigt worden. Man hört nur traurige Geschichten, wie Mütter gezwungen wurden, ihre kleinen Kinder den Mördern auszuliefern und ihnen vor den Augen ihrer Mütter auf einem Baumstamm die Köpfe abgeschlagen wurden… . Mit wem soll ich noch leben? Mit wem kann ich sprechen? Wem kann ich vertrauen? Ich war sauer auf meine Pfingstgemeinde, weil sie mich im Stich gelassen hatte. Warum haben mich die Pastoren und Gemeindemitglieder nicht besucht? Das Essen bekam ich von unerwarteten Personen, die selber arm waren.

Ich kannte einige von denen, die meine Verwandten getötet haben oder wer direkt oder indirekt beteiligt war. Ich war sehr wütend, bitter, sauer auf Gott, weil er die Tutsi nicht beschützt hatte. Ich hasste die Hutu Milizen. Auf der Straße traf ich die UNO-Soldaten, die nach dem Völkermord Sicherheitsdienst in meiner Umgebung gemacht hatten. „Aber wir sind schon tot, was machen sie jetzt hier? Wo wart ihr?“, sagte ich in meinem Herzen voller Wut. Und Tutsis wurden auch noch nach dem Völkermord von Hutu Milizen getötet.
Es war eine große Frage für mich, wie ich noch mit solchen Menschen leben kann, die das Herz von Raubtieren haben. Wir sagen, dass im Völkermord die wilden Tiere freundlicher zu uns waren als die Hutu Milizen.

In meinem Haushalt war alles geplündert und aus den Müllbergen rettete ich nur mein kostbares Tagebuch. Einige Leute sind zu mir gekommen, und sie konnten mir sagen, wer meine Möbel und alle Sachen aus meinem Haus an sich genommen hatte. Auf der Straße traf ich Frauen, die meine Kleidung trugen, fand meinen Kühlschrank im Lebensmittelgeschäft. Ich wollte sie nicht wieder zurückbekommen, alle Sachen waren für mich schon verunreinigt. In meinen Feldern wurde die gesamte Ernte weggenommen. Die Tutsi hatten kein Recht mehr auf ihr Eigentum. Ich habe im Haushalt wieder mit Null angefangen. Durch Gottes Wunder konnte ich wieder in meiner alten Firma arbeiten.

Der Kampf mit der Vergebung

Dann kniete ich vor dem Bett und habe zu Gott gerufen: Warum hast du das erlaubt, dass eine Million Tutsi ausgelöscht wurden? Wie sollen wir jemals wieder eine Nation sein? Es hat mich gewundert, dass genau diese Hutu Nachbarn zu mir kamen und um Hilfe baten. Einige von ihnen kamen nach ihrer Flucht aus den Nachbarländern Kongo oder Burundi zurück, und sie hatten nichts. Ich konnte es nicht fassen. Ich dachte in meinem Herzen: „Sie sind verrückt. Vergessen sie, was sie uns angetan haben?“ Dann sagte mir die Stimme Gottes:

„Bitte vergelte nicht Böses mit Bösem, du bist am Leben nur aus Gnade. Du warst nicht ein besserer Mensch als andere, die getötet wurden. Ich habe dir das Essen gegeben, ich habe meine Verheißungen, meine Worte an dich gehalten.“

Dann habe ich auf die Stimme Gottes gehört. Ich habe im Laufe der Zeit jeden Tag Gott für meine Wut und meinen Hass um Vergebung gebeten, bis Er mich von Wut und Hass geheilt hat. Ich habe meinen Feinden Essen und Kleidung gegeben und sie im Krankenhaus besucht, z.B. meinen Pastor der die Gemeinde verlassen hatte, um in den Kongo mit den Hutu Milizen zu fliehen.
Gott sagte mir deutlich: „Gib ihnen die Chance, ihre Schuld zu bekennen“. Im Gebet antwortete ich: „Ich kann es nicht, sie sind ein Gräuel für uns, sie sind keine Menschen mehr“. So habe ich Gott meine Schwäche gezeigt. Ich habe in meinen Gebeten mit Fasten alle möglichen Gedanken oder Worte der Bibel mit Gott ausgetauscht. Ich habe auch Gespräche mit einigen Hutu geführt, um meine Angst zu verlieren. Manchmal verbrachte ich Zeit im Gebet mit anderen Witwen, in dem wir unsere Enttäuschungen, Klagen, Angst vor der Zukunft vor Gott ausgesprochen hatten. Manchmal überraschte mich Gott durch einen Besuch von Hutu-Christen.

Aufgabe in meiner Gemeinde

In meiner Gemeinde war ich im Gemeindechor, und ich liebte es sehr zu singen und war Diakonisse. So musste ich, die Bedürftige, Christen zu Hause oder im Krankenhaus besuchen. Dort hatte ich gern meinen Dienst gemacht, aber ich habe auch viel Widerspruch erfahren: „Warum besucht Denise die Feinde zu Hause? Warum hatte sie Beziehungen zu Interahamwe?“ Aber in Wahrheit waren nicht alle Hutu Interahamwe oder Milizen. Aber weil wir schon viele Jahre diese böse Macht der Ideologie gegen Tutsi in Ruanda vom damaligen Regime erlebt hatten, konnte man verstehen, warum die Überlebenden alle Hutu so genannt hatten.

Kraft der Vergebung

Ich bin Gottes Stimme gefolgt: Bitte hilf ihnen, ihre Schuld zu bekennen. Gott hat mich besonders durch das Wort aus Apostelgeschichte 26,16-18 angesprochen:

„ … steh nun auf und stell dich auf deine Füße. Denn dazu bin ich dir erschienen, um dich zu erwählen zum Diener und zum Zeugen für das, was du gesehen hast und wie ich dir erscheinen will. Und ich will dich erretten von deinem Volk und von den Heiden, zu denen ich dich sende, um ihre Augen aufzutun, dass sie sich bekehren von der Finsternis zum Licht und von der Gewalt des Satans zu Gott. So werden sie Vergebung der Sünden empfangen und das Erbteil mit denen, die geheiligt sind durch den Glauben an mich.“ (Lutherübersetzung)

Durch diese Botschaft hat Gott mir die Kraft gegeben, meinen Feinden zu vergeben. Ein damaliger Hutu-Leiter des Dorfbezirks hatte diese Menschen für mich eingeladen, um mit mir ein Gespräch zu führen. Ich fragte sie: Was wolltet ihr von mir? Sie antworteten: „Bitte vergib uns.“ Ich habe ihnen öffentlich gesagt, dass ich ihnen vergebe. Eine Frau schrie darauf mit großer Emotion: „Oooh, Denise vergibt uns wie Jesus Christus am Kreuz!“ Gott gab mir viel später die Gelegenheit, in die USA zu fliegen, das UNO-Gebäude zu besuchen und ihnen zu vergeben.

Meine Freundin Beata bekam einen Brief aus dem Gefängnis von einem jungen Mann, der ihre Kinder getötet hatte. Er bittet um Vergebung und seine Mutter brachte den Brief zu Beata nach Hause. Die Bekannten von Beata sagten ihr: „Gut, das ist die Chance, Rache zu üben. Du hast deine Kinder und deinen Mann verloren.“ Sie bereiteten das Messer und die Plastiktüte vor, sie wollten die Frau töten. Beata aber überlegte und antwortete: „Nein, ich habe Jesus Christus erkannt. Ich vergebe ihm.“ Preist den Herrn!

Weil Jesus Christus in dieser Welt schrecklich gelitten hat, kann er uns in unserem Leid in jeder Situation verstehen und uns ein neues heiles Leben und neu Zukunft schenken. Durch das Blut am Kreuz, durch die Kraft der Auferstehung, durch die Liebe Gottes, ermöglicht er uns zu tun, was für uns unmöglich ist. Er gibt uns die Kraft, in allen Situationen zu vergeben.

Heute spricht man in Ruanda im Blick auf die Gegenwart und Zukunft nicht mehr von „Hutu“ und „Tutsi“, wir sind alle „Ruander“ und wir haben eine Regierung der Einheit und Versöhnung. Anders als vor dem Völkermord spielen heute die Kirchen und Christen eine große Rolle für die Heilung der Seele und der Nation. Sie predigen über Vergebung unter diesem Motto „Nutanga imbabazi urabona amahoro“, d. h. „Wenn du vergibst, bekommst du Frieden“.

Im Juli 2008 habe ich meinen zweiten Mann, Wolfgang Reinhardt, in Ruanda geheiratet. Ich lebe seit 2008 in Kassel.
Gott segne euch!

Denise Uwimana Reinhardt


 

3) Ein Auftrag der Liebe – Der wertvolle Dienst des Vereins „Iriba Shalom International e.V.“

Sofort nach dem Völkermord diente Denise freiwillig den Überlebenden in Ruanda, indem sie Waisen in ihrem Haus aufnahm. Später gab ihre sichere Arbeit in der Zementfabrik auf, um den traumatisierten Witwen und Waisen ungeteilt helfen zu können, da es so viel Not gab.
Nach ihrer Heirat mit dem Theologen Dr. Wolfgang Reinhardt, der seit 1997 für die Überlebenden des Genozids an den Tutsi in Ruanda engagiert war, arbeiteten sie gemeinsam von Deutschland aus. Ihr Herz schlägt für die vielen traumatisierten Witwen und Waisen. Nach einigen Jahren des ehrenamtlichen Engagements im Missionswerk „Frohe Botschaft (MFB e.V.)“ wollte sie ihre Vision und ihren Dienst für Ruanda erweitern.

Darum gründete sie 2015 zusammen mit Wolfgang und Freunden den gemeinnützigen Verein Iriba Shalom International e.V., das bedeutet „Quelle des Friedens“. Ziel des Vereins ist es, die Menschen in Ruanda in Ihren unterschiedlichen Lebenssituationen zu unterstützen.
In Ruanda arbeitet der Verein mit zwei Partnern zusammen: Iriba Shalom Ruanda im Südwesten und Shalom Ministries in Kigali.
Im Fokus stehen innere Heilung, Menschenwürde und die Versöhnung nach dem Genozid gegen die Tutsi im Jahr 1994. Dafür setzen sie sich für die Überlebenden des Völkermords und die neue Generation ein. Durch verschiedene Projekte soll die Armut bekämpft und den Ruandern neue Lebensqualität geschenkt werden.
Das geschieht zum einen durch
– Langzeitprojekte, wie individuelle Patenschaften (für Kinder und Jugendliche, Witwen und Senioren) und medizinische Hilfe (u.a. durch Krankenversicherungen),
zum anderen durch
– Individuelle Projekte, die aus den aktuellen Bedürfnissen vor Ort entstehen.
Dazu zählen: Traumaseelsorge, Bau und Reparatur von Witwenhäusern, ein Seniorenzentrum, Hilfe zur Selbsthilfe durch die Förderung von Kleingewerbe, Viehzucht und Landwirtschaft, Nähmaschinen- und Strickmaschinenkurse, ein Multifunktionszentrum mit einem Computerzentrum, sowie Sonderprojekte für einzelne Personen in akuter Not.

Der Völkermord 1994 hat weitreichende Folgen bis in die heutige Zeit:
– Mindestens 250000 Frauen wurden Opfer von Vergewaltigungen, viele haben sich mit HIV infiziert
– Viele Überlebende leiden an Krankheiten und Behinderungen, und noch mehr unter den psychischen Folgen wie Traumata
– Viele Frauen verloren ihre Ehemänner, Kinder ihre Eltern
– Durch die Armut können viele Kinder keine Schule besuchen, oft fehlt es an gesunder Nahrung und sauberem Wasser

In Zusammenarbeit mit Vereinen in anderen Ländern begegnet Iriba Shalom International e.V. diesen und weiteren Nöten.

Aus ihren eigenen Erfahrungen weiß Denise, dass es nur durch Gottes Hilfe möglich ist, die traumatischen Erlebnisse zu verarbeiten und Vergebung und Versöhnung leben zu können.
Weltweit berichtet sie von ihren Erlebnissen.

Denise und ihr Mann lassen sich gerne in verschiedene Gruppen, Gemeinden, Universitäten einladen, um dieses wahre Zeugnis weiterzugeben, an den Völkermord zu erinnern und um Mithilfe bei den wunderbaren Projekten und Partnerschaften zu werben. Aber sie wollen auch von den unglaublich großen Veränderungen im Land und in vielen Menschen erzählen, die Botschaft der Heilung und Vergebung durch Gottes Kraft verbreiten, und so auch zum Vertrauen auf Gott in der eigenen Situation ermutigen.

Manchmal werden auch Ruander nach Deutschland eingeladen, damit sie ihr Zeugnis teilen können.
Auch Kultur- und Begegnungsreisen werden angeboten. Dabei haben die Besucher die Möglichkeit, die Arbeit vor Ort kennenzulernen und den Ruandern zu zeigen, dass sie nicht mehr allein sind. Darüber hinaus, haben die Gäste auch die Gelegenheit die Schönheit des Landes zu entdecken. Die nächste Gruppenreise ist für August 2023 geplant. Bitte frühzeitig anmelden! Interessenten könnten sich gerne unter den Kontaktdaten auf der Homepage des Vereins melden.
Freiwillige aus Deutschland können einige Monate oder ein Jahr bei den beiden Partnergemeinschaften in Ruanda mitwirken.

Viele weitere Informationen gibt es auf der Internetseite des Vereins: iriba-shalom-international.org


4) Denise Uwimana-Reinhardt ist Autorin zweier Bücher:

In ihrem 1. Buch „Mit Gott in der Hölle des ruandischen Völkermords“ beschreibt sie ihre berührenden Erlebnisse inmitten des Völkermords 1994 und wie sie in dieser Zeit Gottes Bewahrung erlebt hat. Er hat sie auch durch den Schmerz und das Trauma dieser Erlebnisse getragen und sie zu Vergebung befähigt.

Das zweite Buch von Denise „From Red Earth: A Rwandan Story of Healing and Forgiveness“ (englischsprachig) erzählt neben Denise’ bewegender Geschichte auch die Geschichten weiterer Überlebender des Völkermords und wie sie Heilung und Befreiung nach den traumatischen Erlebnissen des Völkermords finden konnten. Sie lehren der Welt das Geheimnis, wie die Wunden von Krieg und ethnischen Konflikten geheilt werden können.

Beide Bücher können direkt bei der Autorin erworben werden, gerne auch mit persönlicher Widmung.

Hier geht es zu den Büchern:
https://iriba-shalom-international.org/aktuelles/buchempfehlungen


5) Hintergrund zu den Gründen des Völkermords

Der Grund für den Völkermord war, dass das herrschende Hutu-Regime unter allen Umständen eine Machtteilung mit den Exilruandern verhindern wollte, wie sie von der internationalen Gemeinschaft im Arusha Abkommen von 1993 gefordert worden war. Dem Völkermord ging eine jahrzehntelange Propaganda und Diskriminierungen gegen die Bevölkerungsgruppe der Tutsi sowie Massaker an ihnen in den 1960er und 70er Jahren voraus. Hunderttausenden von Tutsi und oppositionellen Hutu war seit den Massakern von 1959 eine friedliche Rückkehr verweigert worden. Darum war 1990 eine Rebellenarmee von Uganda aus ins Land eingedrungen, um eine Eingliederung zu erzwingen, was aber vom Hutu Regime mit Hilfe der französischen Armee verhindert wurde. So kam es zum Bürgerkrieg und alle Tutsi im Lande wurden als Komplizen und Volksfeinde betrachtet. Der letzte Auslöser, nicht die Ursache des geplanten Genozids, war der Abschuss des Flugzeugs u.a. mit dem Präsidenten am 6. April. Neuere genaue Untersuchungen vor Ort (auch eine französische) haben gezeigt, dass der Abschuss von den eigenen Hutu-Militärs verübt worden sein muss, um einen Kompromiss zu verhindern, den Abschuss den Tutsi Rebellen in die Schuhe zu schieben und als wohlfeilen Vorwand für die Massaker zu nutzen.


Copyright: Denise Uwimana-Reinhardt, Dr. Wolfgang Reinhardt, Anita Holweger

Ich bedanke mich ganz herzlich bei Denise und Dr. Wolfgang Reinhardt für die freundliche Bereitstellung der Informationen und der tollen Zusammenarbeit, um dieses wunderbare und bewegende Zeugnis hier veröffentlichen zu können!