Ungebrochen
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Ungebrochen – Die Geschichte von Louis Zamperini

Louis „Lou“ Silvie Zamperini wurde am 26.01.1917 in Olean, New York als Kind aus Italien stammender Eltern – Anthony Zamperini und Louise Dossi – geboren. Er hatte einen älteren Bruder, Pete und zwei jüngere Schwestern: Virginia und Sylvia. Drei Jahre nach Louis’ Geburt zog die Familie nach Torrance, Kalifornien. Weil er anfangs nur Italienisch sprach, wurde er von seinen Mitschülern schikaniert. Infolgedessen lernte Louis Boxen und war oft in Schlägereien verwickelt. Damit der Junge weniger Ärger machte, brachte ihn sein älterer Bruder Pete im Leichtathletikteam der Schule unter.

Sportliche Erfolge und Olympiateilnahme

Los Angeles Times, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

Bald zeichneten sich große Erfolge ab. 1934 stelle Louis beim CIF (California State Meet der California Interscholastic Federation) einen Highschool-Weltrekord auf, der erst nach 20 Jahren gebrochen wurde. Er lief eine Meile (1,609 km) in 4:21,20 min. Eine Woche später lief er die Meile in 4:27,8 min und gewann die Meisterschaft. Er bekam dafür ein Stipendium an der University of Southern California. 1936 wurde Louis in das US-Leichtathletikteam berufen. Mit gerade einmal 19 wurde er bei den Olympiatrials der USA in Randalls Island beim 5000 Meter Lauf zeitgleich mit Sieger Donald Lash Zweiter und qualifizierte sich damit für die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Berlin.
Er war der jüngste Teilnehmer beim 5000-Meter-Lauf. Mit seiner persönlichen Bestzeit von 14:46,8 min kam er als 8. ins Ziel, wobei er seine letzte Runde in nur 56 Sekunden lief. Das erregte auch die Aufmerksamkeit von Adolf Hitler, der Zamperini persönlich beglückwünschte.
1938 stellte Louis mit 4:08,3 über eine Meile einen nationalen Collegesport-Rekord auf. Er bekam daraufhin den Spitznamen „Torrance Tornardo“. Dieser Rekord wurde erst nach 15 Jahren gebrochen.

Olympische Spiele 1936 in Berlin
Olympische Spiele 1936 in Berlin

Zweiter Weltkrieg und Militärdienst

Im September 1941 trat Louis den United States Army Air Forces bei. Im folgenden Jahr wurde er auf dem Stützpunkt in Washington und später auf dem Hamilton Airfield in Kalifornien eingesetzt. Im August 1942 wurde Louis zum Second Lieutenant befördert und nach Hawaii versetzt. Dort nahm er als Crewmitglied einer B-24 an zahlreichen Einsätzen teil.

Absturz & Überleben auf dem Meer

Bei einem Rettungsflug für eine vermisste Maschine am 27.05.1943 stürzte das Flugzeug aufgrund einer mechanischen Fehlfunktion ab. Acht Crewmitglieder starben. Louis und zwei weitere Insassen, der Heckschütze Francis „Mac“ NcNamara und der Pilot Russel Allen „Phil“ Phillips konnten sich in ein Rettungsboot in Sicherheit bringen. In dieser Zeit betete Louis zum ersten Mal in seinem Leben. Er versprach Gott, dass er ihn suchen und ihm dienen wolle, wenn er überlebe und sicher nach Amerika zurückkehre.
Nachdem die Wasservorräte und ein paar Schokoriegel aufgebraucht waren, ernährten sich die auf dem Wasser Treibenden von Fischen und Vögeln und sammelten Regenwasser. Nachdem die US-Streitkräfte die Überlebenden nach einer Woche immer noch nicht gefunden hatten, erklärten sie für tot.
Nicht nur die Hitze und das Fehlen von Nahrung und Wasser machten den Dreien zu schaffen, auch die Haie im Meer stellten eine Gefahr dar. Als wäre dies nicht schon herausfordernd genug, wurden sie von einem japanischen Flugzeug beschossen. Keiner der Männer wurde dabei verletzt, aber das Rettungsboot wurde stark beschädigt.
An Tag 33 auf See starb Mac. Am 47. Tag erreichten Louis und Phil das Atoll Wotje der Marshallinseln. Dort wurden sie direkt von den Japanern gefangen genommen.

Kriegsgefangenschaft

Zunächst wurden die beiden Männer in das geheime Vernehmungslager Öfuna gebracht. Dort wurden Kriegsgefangene nicht registriert und es stand auch nicht unter internationaler Kontrolle durch das Rote Kreuz und anderen Hilfsdiensten. Dementsprechend miserabel waren die Bedingungen für die Inhaftierten. Es gab Hungersnöte, Folter und unnatürliche Todesfälle. Dass dort anscheinend nur 6 Menschen starben, scheint ein Wunder. Die Gefangenen waren in schmalen Zellen untergebracht, sodass gerade einmal die Schlafmatten reinpassten. Die Decken waren aus Papier, die Kissen aus Stroh. Die Inhaftierten trugen überwiegend noch die Kleidung, mit der sie verhaftet wurden. Zu essen gab es überwiegend Reis, manchmal vermischt mit Rattenkot und Stroh. Einmal gab es mit Maden überlaufenden Fisch. Die Gefangenen mussten in der Küche oder als Reinigungskräfte arbeiten. Louis arbeitete einige Zeit als Friseur des Lagers.

Kriegsgefangenenlager Ofuna
Kriegsgefangenenlager Ofuna

Der bösartigste Wärter im Lager war Suehara Kuitamura, der nach dem Krieg für seine zahlreichen Kriegsverbrechen zum Tode verurteilt wurde. Im Lager traf Louis auf den ehemaligen Studienkollegen Jimmie Sasaki, mit dem er befreundet war. Er war nun einer der Hauptvernehmungsbeamten und wollte Louis brechen, doch es gelang ihm nicht.
Wenn Männer das Lager verließen, wurden sie entweder hingerichtet oder in ein anderes Lager umgesiedelt. Drei Monate nach seiner Ankunft wurde Phil in ein Gefangenenlager für alliierte Offiziere in Honshu gebracht.

Mutsuhiro_Watanabe
Mushuhiro Watanabe („The Bird“)

Nach einem Jahr in Öfuna wurde auch Louis verlegt: nach Omori, einer künstlichen Sandbank zwischen Yokohama und Tokio, auf der Hunderte von Gefangenen untergebracht waren. Im September 1944 lernte er dort Mushuhiro Watanabe („The Bird“) kennen. The Bird hatte es auf Louis abgesehen und quälte und folterte ihn grausam. Die Häftlinge in Omori starben an Misshandlung, Vernachlässigung und Unterernährung.
Die Japaner wussten, dass Louis ein berühmter Olympiastar war und wollten ihn für Propagandazwecke gebrauchen.
Am 18. November 1944 wurde er in das Rundfunkstudio für das Radio Tokio gebracht. In der Sendung „Japanese Postman“ sollte er seiner Familie und dem Rest der Welt mitteilen, dass er noch am Leben war. Nachdem er diese Sendung gemacht hatte, wurden ihm Scripte für weitere Sendungen vorgelegt. Louis hätte nun die Möglichkeit gehabt, sich den grausamen Misshandlungen zu entziehen und unter privilegierteren Umständen zu leben, wenn er für die Japaner gearbeitet hätte.

Kriegsgefangenenlager Omori
Kriegsgefangenenlager Omori

Doch Louis weigerte sich und wurde in das nächste Gefangenenlager gebracht: Naoetsu. Auch hier traf Louis zu seinem großen Entsetzen auf seinen Erzfeind The Bird. Bei der geringsten Provokation wurden die Gefangenen misshandelt. Auch hier durchlitt Louis Qualen.

Kriegsgefangenenlager Noaetsu
Kriegsgefangenenlager Noaetsu

Nachdem die Japaner kapitulierten und der 2. Weltkrieg auch in Asien zu Ende ging, fürchteten die Inhaftierten um ihr Leben. Doch am 21.08.1945 wurden sie befreit.
Offiziell wurde Louis am 5. September 1945 aus der Kriegsgefangenschaft entlassen und freudig von seiner Familie in den USA empfangen. Insgesamt war er über zwei Jahre in japanischer Kriegsgefangenschaft. Watanabe war die Flucht geglückt, so konnte er sich der Strafe durch die Kriegsverbrechen-Tribunale entziehen.

Nachkriegszeit & Wendepunkt

Nachdem er wieder in seiner Heimat war, versuchte er sich ein neues Leben aufzubauen. Aufgrund einer Verletzung während der Gefangenschaft, konnte er seine Sportkarriere nicht fortsetzen. Das Versprechen, das Louis Gott einst auf dem Meer gegeben hatte, vergaß er.
Er lernte seine große Liebe Cynthia Applewhite in einer Bar kennen. Nur Monate danach am 20. Mai 1946 heirateten sie. Später bekamen sie zwei Kinder: Cissy und Luke.

Aufgrund der jahrelangen Folter und Unterernährung bekam Louis eine Posttraumatische Belastungsstörung. Er litt unter Albträumen und Flashbacks. Als er eines Nachts träumte, dass er „The Bird“ erwürgte, musste er schockiert feststellen, dass es Cynthia war, die er würgte. Immer mehr verlor sich Louis im Alkohol. Seine Frau reichte wegen des hohen Alkoholkonsums die Scheidung ein. Der Mann, der noch Jahre zuvor einen enormen Kampfgeist und Widerstandsfähigkeit zeigte, drohte nun zusammen zu brechen und alles zu verlieren.
Ein Nachbar, der die Not in der Familie bemerkte, lud Cynthia zu einer Evangelisationsveranstaltung von Billy Graham in L.A. ein. Cynthia nahm die Einladung an und übergab ihr Leben Jesus. Louis wollte nichts mit dem Christentum zu tun haben, wurde aber berührt davon, dass sich seine Frau nun nicht mehr scheiden lassen wollte. Gedrängt von Cynthia besuchte auch er die Evangelisation. Doch am ersten Abend verließ er wieder das Zelt. Erstaunlicherweise kehrte er für einen weiteren Abend zurück. Bei diesem Besuch trafen ihn die Bibelverse, die Graham verkündete, mitten ins Herz. Zum ersten Mal seit Jahren erinnerte sich Louis an das Versprechen, dass er Gott auf dem Pazifik in seiner Not gegeben hatte. In dieser Nacht beim Los Angeles Crusade 1949 ging Louis nach vorne und traf eine Entscheidung, die sein Leben für immer verändern sollte: Er übergab Jesus sein Leben und fand zum Glauben an den lebendigen Gott.
In dieser Nacht hatte er zum ersten Mal keine Albträume mehr. Er wurde auch von seiner PTBS geheilt.

Ein Leben für Gott

Von nun an löste Louis sein Versprechen ein und diente Gott. Als christlicher Sprecher predigte er insbesondere über die Kraft der Vergebung.
Im Jahr 1950 kehrte Louis nach Japan zurück. Dort sprach er im Sugamo Gefängnis zu japanischen Kriegsverbrechern. Darunter waren auch viele seiner Peiniger. Er reichte den ehemaligen Wärtern die Hand und umarmte sie. Viele nahmen Christus an.

Louis teilte seinen Glauben in der ganzen Welt und berührte viele Herzen. Mit Billy Graham, auf dessen Veranstaltung er sich bekehrt hatte, pflegte er bis zu seinem Tod eine Freundschaft. Louis sprach auch auf mehreren seiner Evangelisationen.

Louis Zamperini
Floatjon, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Auch für Jugendliche, die sich in Schwierigkeiten befanden, wie einst er selber, hatte er auf dem Herzen. Er gründete ein Wildniscamp für sie.

1998 nahm Louis anlässlich seines 81. Geburtstags am Olympischen Fackellauf für die Olympischen Winterspiele in Nagano, Japan teil. Bei dieser Gelegenheit wollte er Kontakt zu seinem einstigen Erzfeind Watanabe (The Bird) aufnehmen, nachdem sich herausstellte, dass dieser noch lebte. Ein Treffen lehnte Watanabe ab, deshalb schrieb Louis ihm einen Brief, in dem er ihm seine Vergebung zusprach. Watanabe verstarb 2003.
2001 verstarb Cynthia im Alter von 75 Jahren.
Im März 2005 besuchte Louis noch einmal das Olympiastadion in Berlin.
Am 02. Juli 1914 verließ Louis im Alter von 97 Jahren seine irdische Heimat. Er verstarb friedlich im Beisein seiner gesamten Familie an einer Lungenentzündung, gegen die er 40 Tage lang kämpfte. Er überlebte seine drei Geschwister.

Es entstanden mehrere Bücher, darunter „Devil of my Heels“, das er mit David Rensin verfasste und die 2010 verfasste Autobiografie von Laura Hillenbrand (Unbroken / Unbeugsam), die 2013/14 von Angelina Jolie, mit der Louis eine herzliche Freundschaft verband, verfilmt wurde.

Das Leben dieses starken Mannes berührte Millionen von Menschen weltweit. Mit seinem Mut, seinem Kampfgeist und seiner Widerstandsfähigkeit wurde er zum Vorbild für viele Menschen. Und es bewegt, wie Gott Louis in seinem Leben immer wieder bewahrt hat und sein Leben für immer veränderte.

Japan-USA

 

von Anita Holweger

Quellen Zamperini